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Warum diese Flutkatastrophe? |
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Über Unsinn und Sinn der SinnfrageDie Tsunami-Flutkatastrophe, die kurz nach Weihnachten mehrere Länder rund um den indischen Ozean verwüstete, hat weltweite Bestürzung ausgelöst. Viele Menschen fragten bestürzt: „Warum läßt Gott so etwas zu? Wenn Gott so ein Ereignis nicht verhindern kann, dann ist er nicht allmächtig. Wenn er es verhindern könnte, aber nicht tut, kann er nicht gütig sein! Warum also läßt Gott so etwas zu?“Andere wieder wurden still und heimlich nachdenklich und fragten sich: „War das eine Strafe Gottes? Diese Flut ausgerechnet zu Weihnachten – in Gebieten, die für ihren Sextourismus bekannt sind – ein Drittel der Toten sind Kinder, bei einer weltweit akzeptierten Abtreibung. Muß man sich so die Sintflut vorstellen? ...“ Die „warum“-Frage:
Warum läßt Gott so eine Katastrophe zu? Wer nach dem „warum“ fragt, will damit die innerste Absicht Gottes erforschen und hat dabei meistens auch noch die Vorstellung, es gäbe eine, kurze und prägnante Antwort, die für alles passt. Doch wer kennt die innerste Absicht Gottes, außer Gott alleine? Die Frage nach dem „warum“, kann nur Gott allein beantworten. Jeder, der nicht eine ausdrückliche Offenbarung Gottes mit der Antwort auf diese Frage erhalten hat, muß zugeben: "Diese Frage, so gestellt, kann nicht beantwortet werden.“ Kann man also überhaupt nichts sagen? Doch! Jedoch ist die Frage falsch gestellt. Die Frage darf nicht lauten: „Warum“, sondern „Wozu läßt Gott so eine Katastrophe zu.“ Die „Warum“-Frage führt in ein nicht zu beantwortbares Dilemma. Die „wozu“-Frage: Die Frage nach dem „wozu“ führt zu der Erkenntnis, dass gottlose und gottgläubige Menschen zwar die gleiche Wirklichkeit sehen, aber dennoch nicht das Gleiche wahrnehmen: Der gutwillig Gottlose wird sich angesichts dieses grenzenlosen Unglücks fragen, ob so etwas einen Sinn haben könne und ob seine Lebenseinstellung, in der Tod und Leid keine sinnvolle Begründung haben, denn wirklich die richtige sei. Der gottgläubige Mensch wird in seiner Wahrnehmung der Katastrophe davon ausgehen, dass sie einen Sinn hat, und dass Gott alles – auch so eine Flutwelle – zum Guten lenken kann. Die Antworten: Wer morgens aufsteht hat keine Garantie, dass er abends noch lebt. Eine Wahrheit, auf die nur zu gerne vergessen wird. Die einzige Antwort, die einigermaßen für alle passt ist ebene diese: Lerne daraus so zu leben, dass du jederzeit vor den Richterstuhl Gottes treten kannst. Darüber hinaus gibt es Antworten, die so vielfältig sind, wie die Betroffenen selbst.
Der Allmacht Gottes ist mehr zuzutrauen, als dass sie nur einen Sinn und eine Absicht hätte, wenn sie Naturkatastrophen dieser Art zulässt. Das Ärgernis: Die Perspektive Gottes: Irgendwann muss jeder sterben. Der Sinn unseres Lebens besteht darin, sich bewusst und freiwillig für Gott zu entscheiden. Das kann man auch in einem kurzen Leben tun. Wenn Gott eine Naturkatastrophe, bei der mehr als 200.000 Menschen ihr Leben verlieren, nicht verhindert obwohl er in seiner Allmacht sie hätte verhindern können, dafür aber – Gott weiß allein wie viele – Menschen ihr ewiges Leben nicht verlieren, dann ist das kein Einwand gegen seine Güte, sondern im Gegenteil eine Ausdruck eben dieser Güte. Die pfiffige Frage, Gott könne wohl nicht allmächtig sein, wenn er so ein Ereignis nicht verhindert, oder aber, er könne nicht gütig sein, wenn er es zwar verhindern könnte, es aber nicht tut, hat seinen Grund in der rein irdischen Perspektive des Fragestellers und der ganz anderen Wertigkeit von Tod und irdischer Zerstörung in den Augen Gottes. Die Wahrheit in Liebe sagen: Die kurze und prägnante Formel auf die sich diese Argumentation reduzieren ließe (Besser 200.000 Menschen tot als einige ewig verloren) ist mit äußerster Vorsicht zu verwenden. Eine so verkürzte Argumentation wirkt nicht nur sehr menschen-verachtend, sie kann auch extrem lieblos sein, wenn sie jemanden, der konkret um einen lieben Menschen trauert, einfach so „um die Ohren geschmissen“ wird. Die hier gegebene Sinndeutung von Katastrophen (nicht fragen „warum“ sondern „wozu“; aus der Perspektive Gottes sehen die Dinge immer anders aus) behält ihre Gültigkeit nur, wenn man eine Katastrophe auch als Katastrophe anerkennt und gelten lässt. Nur wer das Leid der Menschen, die Verwandte, Kinder oder Eltern verloren haben, nachfühlen kann, wird den richtigen Tonfall treffen, in dem – zur passenden Zeit – eine Sinndeutung gegeben werden darf. Pater Walthard Zimmer
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